Warum beschäftigt mich mal wieder das Thema depressive Phase und innere Leere?

Vielleicht liegt es daran, dass wir gerade nach dem Neujahrs- Hype mit all den guten Vorsätzen und Wünschen für das kommende Jahr realisieren, dass sich doch nicht alles so einfach umsetzen lässt wie 2017 erträumt. Sei es aus Inkonsequenz, aus latenter Müdigkeit oder aus Angst.

Irgendwie ziehe ich die Menschen magisch an, die sich viel vornehmen und am Ende doch planlos und verloren fühlen. Vielleicht deshalb, weil mir deren Geschichte nicht ganz Unbekannt ist und das immer wieder meine Chance ist, zu sehen, wo ich mich derzeit im Leben befinde…Sinn oder Sinnlosigkeit?

Ich selbst leide nicht mehr unter diesen Phasen. Aber ich kann mich gut an dieses Gefühl der inneren Leere, Kraftlosigkeit und Orientierungslosigkeit zurück erinnern…

Vor einigen Jahren erlebte ich nämlich genau das. Ich wusste plötzlich nichts mehr mit dem Leben anzufangen.  Eigentlich wartete ich jeden Tag  verzweifelt darauf, dass ein Wunder geschehen würde. Das ich morgens die Augen öffne, völlige Klarheit verspüre und mich endlich wieder voller Elan ins Leben stürze würde. Dieser Tag kam aber nie. Zumindest nicht in dieser Form.

Weshalb auch?! Ich hatte gerade meinen neuen und aussichtsreichen  Job als Designerin verloren und musste nicht nur eine Menge Geld loslassen, sondern auch schmerzhaft erkennen, dass ich für meinen ursprünglichen Traumberuf gar nicht mehr richtig brannte.  Im Gegenteil, eigentlich machte mir dieser überhaupt keinen Spaß mehr und ich träumte von einem Job den ich aus vollsten Herzen leben würde.

All die Jahre habe ich mich aber auf diese eine Position ausgerichtet und darauf hingearbeitet. Doch plötzlich stand ich da. Mit einer Kündigung in der Hand und absolut keinen Plan, was ich nun mit meinem Leben eigentlich anfangen möchte.

Das waren natürlich nicht die aller besten Voraussetzungen um beschwingt in die Zukunft  zu schauen, zumal ich noch nie zuvor das Gefühl einer solchen Leere kannte und auch keine Lust hatte nun zum „faulen Kreis der Arbeitslosen“ zu gehören.

Doch auch wenn ich es zum damaligen Zeitpunkt nicht sehen konnte,  hatte ich wirklich viel Glück in im Unglück.

Mein Arbeitslosengeld fiel nicht allzu schlecht aus und somit konnte ich weiterhin in meiner schnuckeligen Altbau Wohnung bleiben. Auch mein kleines Traumauto konnte bei mir bleiben und später zog sogar mein Partner zu mir in die Wohnung.  Somit wurde finanziell nochmals einiges aufgefangen.

Also ging es mir rein oberflächlich betrachtet- trotz beschissener beruflicher Umstände- nicht schlecht. Und  dennoch, innerlich fühlte ich mich völlig verloren. Mein Ego hielt diesen Zustand kaum aus.

Ich war voller Angst! Angst vor der Zukunft, Angst vor dem finanziellen Abstieg, Angst vor einem „weiteren Scheitern“. Jeder noch so kleine Schritt in Richtung Zukunft, schien mir wie eine riesen große Hürde.

Es gab also kein Vorankommen, nur noch ein Verharren. Das lähmte mich und mein ganzes Leben. Und somit hörte ich lieber täglich die immer gleiche melancholische Musik, verlor mich in einer unendlichen Grübelei und suchte am Ende Halt im Alkohol.

Mir fehlte einfach die Idee, wie es jemals für mich weiter gehen könnte. Mir fehlte die Kraft und ehrlich gesagt, fehlte es mir der Lebensmut.

Ich bildete mir tatsächlich ein, dass ich im Leben gescheitert bin. Das ich nicht gut genug bin und deshalb beruflich niemals wieder einen guten Job bekommen werde. Und ich war überzeugt davon, dass das eben mein Schicksal ist und ich nichts dagegen tun kann, außer darauf zu warten, wo es mich denn als nächstes hinbringt.

Ich sah keinen Sinn in meinem ganzen (Nichts-) Tun- das war die schwärzeste Zeit in meinem Leben!

Es brauchte eine ganze Weile, bis ich erkannt hatte warum mir das alles passiert ist und dass ICH am Ende Schuld an diesem Dilemma hatte. Doch dafür brauchte es Zeit und es brauchte eine ganz deutliche Aufforderung meines Partners, der es langsam leid war, jeden Abend dasselbe Leid vom Boden aufheben zu müssen.

Nach monatelanger depressiver Phase folgte dann der größte Shift in meinem Leben… Ich holte mir Hilfe, änderte meine Einstellung und somit mein Leben- komplett!

 

5 Dinge die ich Dir rate zu tun, wenn dich die Leere einholt

1. Nehme deine Gefühle an

Nichts ist schlimmer als wegrennen!

Wenn es dir nicht gut geht, wenn sich deine Situation ausweglos anfühlt oder spätestens dann, wenn sich dein Körper mit Schmerzen, Traurigkeit oder einer Krankheit meldet, wird es Zeit, dass du dich deinen Themen stellst.

Selbstverständlich ist es unangenehm und anstrengend sich mit seinen Ängsten zu konfrontieren und diese auch noch aushalten zu müssen. Wir sind Menschen. Wir tragen dieses Fluchtgefühl in uns wenn wir mit dem Urgefühl der Angst konfrontiert werden. Nur rennen wir heute eben nicht mehr vor einem Säbelzahntiger davon, sondern vor einer beruflichen Veränderung, vor Beziehungsproblemen, vor Blockaden, etc. Alles Dinge, für die wir in der Regel nicht mit unserem Leben bezahlen müssen!

Also warum sollten wir uns nicht gleich diesem Gefühl stellen. Warum sollten wir nicht mit diesem Gefühl eine Weile bewusst mitschwingen? Warum sollten wir es nicht beim Namen nennen, denn schließlich ist es doch (gerade) ein Teil von uns.

Je mehr wir uns vor diesen Gefühlen verschließen, sie ausblenden oder sogar ausgrenzen,  umso mehr treffen sie uns aus einer anderen Richtung. Die Physik lehrt uns, dass keine Energie im Leben ganz verschwinden kann, sich aber sehr wohl auf eine andere Ebenen verschieben lässt. Zum Beispiel in die Körperliche. Dann werden wir eben krank und wundern uns darüber, dass uns kein Arzt dauerhaft weiter helfen kann.

Nehme dein negatives Gefühl an. Sei achtsam und beobachte es. Benenne es. Beschäftige dich damit. Es will gesehen werden- denn du willst gesehen werden!

Hier geht es noch nicht darum, eine Problemlösung zu finden!

Die erste Frage sollte daher nicht lauten: „Was kann ich jetzt dagegen tun?“  Sondern: „Was überhaupt ist mein Problem und was gibt es für mich anzunehmen?“

 

2. Bringe dich in „Sicherheit“

Wenn es um unsere Existenz geht und wir starke finanzielle Ängste haben, wird es allgemein schwierig Zeit und Kraft aufzubringen, sich seinen Themen zu stellen. Deshalb ist es wichtig, sich eine Umgebung, einen Alltag oder Umstände zu schaffen, die Sicherheit vermittelt.

Ich konnte z.B. in meiner geliebten Altbauwohnung bleibe, in der ich mich sehr wohl und geschützt gefühlt habe. Mein Partner sorgte durch seinen Einzug zusätzlichen zur (finanziellen) Sicherheit bei. Also wusste ich im Grunde, dass ich mir um „das grobe Finanzielle“ primär keine Sorgen machen musste.

Somit kümmerte ich mich wirklich erstmal darum, dass ich „abgesichert“ war, bevor ich mich an mein unsicheres Innerstes wagte. Dieser Rahmen bot mir also überhaupt erst die Möglichkeit, mich nun endlich mal NUR um mich zu kümmern!

Also schaue in welchem Bereich du eine gewisse Sicherheit brauchst oder wie du sie dir schaffen kannst?

Was brauchst du im Moment, damit du dir die Zeit und die Kraft nehmen kannst, dich mit deinen Lebensthemen auseinander zu setzen? Wäre es sinnvoll deine Wohnung zur WG umzugestalten? Wäre es für eine Weile schön, zu deinen Eltern, deinen Geschwistern oder guten Freunden zu ziehen? Wäre es möglich dir Geld zu borgen, welches dir für die schwere Zeit Sicherheit gibt?

Sei kreativ und scheue dich nicht vor solchen Optionen!

Bei vielen Dingen dachte ich auch erst, dass kannst du unmöglich so machen!!! Heute wundere ich mich über diese Bedenken.

 

3. Hole Dir die richtige Hilfe

Jeder von uns erlebt in seinem Leben schwierige Phasen. Dann gibt es gewisse Themen, die wir durchaus selber angehen und lösen können. Doch dann gibt es eben auch die Themen, die etwas hartnäckiger sind oder psychologisch ausgedrückt „tiefer verwurzelt“ sind. Ich kenne leider viele Menschen die der Meinung sind, dass es normal ist immer mit denselben Sorgen und Ängsten durchs Leben zu gehen und sich deshalb niemals Hilfe suchen. Sie haben die Hoffnung, dass die Phasen bald wieder vergehen und investieren deshalb nicht „unnötig“ Zeit und Geld in eine Therapie. Leider vergessen diese aber allzu oft, dass sie dann auf anderen Ebenen dafür zahlen müssen. Warum verlieren sonst so häufig depressive Menschen ihren Job, ihren Partner oder eine Menge Geld, bevor sie sich für eine Therapie entscheiden???

Wenn es dir also wirklich schlecht geht, brauchst du jemanden der dir richtig zu hört und da spreche ich nicht von einer guten Freundin, sondern von einem Profi. Ich rate dir eine vertrauensvolle Person zu finden, bei der du sofort ein gutes Gefühl hast. Jemand der dich und deine Geschichte nicht kennt. Eine Person, die dich nicht aus einer eigenen Angst beschützen möchte oder vielleicht auch selbst überfordert mit deiner  Situation ist. Jemanden bei dem du ganz du sein kannst, Vertrauen wachsen darf und du deine Lösungen finden wirst.

Mache diese Entscheidung auch nicht von deinem Geldbeutel abhängig!

Ich kenne einige Menschen die lange auf einen bezahlten Therapieplatz warten und nur aus finanziellen Gründen lieber auf der klassischen Couch Platz nehmen, obwohl sie dort eigentlich nicht hingehören.

Leihe dir lieber das Geld für eine schnelle und stimmige Lösung, die du evtl. aus eigener Tasche bezahlen musst. Verhandle einen vorläufigen Spezial- Preis aus, falls du wirklich knapp bei Kasse sein solltest. Ich habe Kollegen, die ihre Klienten behandeln, obwohl diese nicht den vollen Preis bezahlen können. Eine Kollegin wünschte sich schon lange schöne  Kissenbezüge und Vorhänge für ihre neue Praxis. Irgendwie kam sie nie dazu. Bis sie eine Klientin behandelte, die sich die volle Therapiestunde zwar nicht leisten konnte, dafür ein super Händchen an der Nähmaschine hatte. Der Deal war gefunden 🙂 Kostenlose Therapiestunden gegen kostenlose Vorhänge. Es entstand tatsächlich eine respektvolle Zusammenarbeit. Die Klientin lernte mit ihrem Problem umzugehen und meine Kollegin hatte endlich ihre Einrichtung komplett.

Du siehst also, es ist nichts unmöglich!

Nur wenn wir und wirklich dazu entschließen, endlich unsere heißen Eisen im Leben anzugehen, kann es positiv weitergehen.

 

4. Nehme Dir die nötige Zeit

Große Ängste und starke negative Gefühle entstehen meistens nicht von heute auf morgen. Sie begegnen uns recht häufig schon viel früher, evtl. schon in der Kindheit. Aber unser Leben auf der Überholspur lässt uns einfach keine Zeit sich mit unseren Gefühl auseinander zu setzten. Vor allem auch nicht dann, wenn sie uns sehr traurig machen. Denn wer möchte schon ein trauriger Mensch sein? Wer möchte sich schon mit solchen begeben?

Somit kann aus einem kleinen negativen Gefühl mit der Zeit ein Schneeball entstehen, der sich Jahre später zu einer ganzen Lawine entwickelt. Stellen wir uns das bildlich vor??? Wenn diese erst einmal über einem liegt, kann es schon auch mal dauern, bis man sich da wieder frei geschaufelt hat.

Bei meinem Therapiebeginn war ich überzeugt davon, dass ich in kürzester Zeit wieder „die Alte“ sein werde und das alles wieder so werden wird wie es einst war… Ich habe Jahre damit verbracht, mich auf meinen eigenen Weg zu machen. Und ich bin auch nie wieder „die Alte“ geworden 🙂 Ein Glück! Denn genau das fühlt sich heute extrem gut an und war im Nachhinein der größte Benefit, denn ich aus dieser Krise gezogen habe.

Also nehme dir bewusst Zeit! Für Fortschritte, für Rückschritte, für ein Stehenbleiben und Inne halten. Probiere dich aus. Gehe neue Wege. Ändere wieder die Richtung. Es läuft dir nichts davon!

Wenn du erst einmal zu dir gefunden hast und weist wie du mit deinen Ängsten und schlechten Gefühlen umgehen kannst, dann kannst du- auch im Rekordtempo- ALLES  angehen, für das du immerhin nicht genügend Kraft gehabt hättest.

 

5. Bleibe dran und lebe weiter

Der erste Schritt in eine Therapie kann oft als unangenehm empfunden werden. Wir wissen nicht was uns erwartet, ob uns der Gegenüber versteht und ob wir überhaupt jemals wieder aus dieser Situation heraus kommen. Außerdem ist es einfach leider immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft und wird eher negativ angesehen.

Aber je länger wir uns begleiten lassen umso größer wird auch das Vertrauen,auch das zu uns selber und unserem Leben. Wir gehen mutig einen Schritt nach dem anderen und erleben wieder ein Vorankommen.

Mache hier nicht den Fehler zu früh auf diese Begleitung zu verzichten. Nach einem Fortschritt kommt auch mal ein Rückschritt, das ist normal und gehört einfach dazu. Es ist ein Lernprozess seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen.

Sehe den Gang in die Therapie nicht als eine einmalige Sache. Problem gelöst- „für immer geheilt“!

Auch ich gehe immer wieder noch zu Systemischen Aufstellung, gönne mir eine Therapiestunde und das nicht nur aus beruflichen Gründen.

Unsere Leben ändert sich eben rasant und manchmal schaffen es unsere Seelen nicht schrittzuhalten. Also ist es in gewisser Weise sehr ratsam, auch auf psychologischer Ebene vorzubeugen und sich immer wieder „durchchecken“ zu lassen, sobald sich unsere Leben schwer anfühlt. Wir sollten endlich lernen behutsam mit unserem Innersten umzugehen.

Sehe diese Phase deines Lebens nicht als schwarzes Loch an, dass du am liebsten ausblenden möchtest. Genau diese Krisen sind es, die uns die Chance für ein schöneres und persönlich authentischeres Leben bieten. Also nutze das!

 

Es brauchte Jahre, bis ich zu mir selber fand und ganz am Ende bin ich immer noch nicht angelangt! Allerdings  weiß ich heute mit meinen Gefühlen umzugehen und genauso liebe ich es 🙂

Wie sieht es bei dir aus? Kennst du denn auch solche negative Phasen und wie gehst du mit einer innerer Leere um?

Alles Liebe